Essays / s /

 


Beim Barber

Bei meiner letzten Reise nach Belgrad fiel mir in Savamala, das ist Belgrads "Creative Hub", eine Art Belgrad Kreuzberg, ein Barbershop auf. Mit mir war die Tochter eines Freundes, ihrerseits angehende Kommunikationsdesign- Studentin, ebenfalls immer auf der Suche nach guten Bildern. Wir betreten den Shop und fragen, ob wir Fotos machen dürfen. Und haben das Schild am Eingang: "Gentlemen only, ladies forbidden" glatt übersehen. Luisa nimmt es nicht übel und findet andere Bilder. Ich gebe mich der männlichen Atmosphäre hin.

Die bärtige, tätowierte Jack Daniels-Atmosphäre wird gemildert durch einen kleinen Jungen, von Carlo Zagorac liebevoll betreut. Er baut ihm mit seinem Skateboard eine Brücke, damit er sich nicht so tief bücken muss.

Er kann gut mit Kindern, keine Frage. Ansonsten sieht das Ganze schon sehr männlich aus. Frauen würden vielleicht ein bisschen Angst kriegen, deswegen dürfen sie wahrscheinlich gar nicht erst rein ... Mir auf jeden Fall ist der Laden sympathisch, besonders Carlo, der Besitzer.

Anfangs sind die Barber skeptisch, das habe ich gemerkt. Ein deutscher Möchtegern-Fotograf, der mal eben ein paar Snapshots zu Kohle machen will.

Das legt sich aber, als sie den Eindruck bekommen, dass ich Spass bei der Arbeit habe. Dann lockern sich alle. Ich mache also meine Bilder. Stündchen oder so. Quatsche noch ein bisschen und frage, ob ich wiederkommen darf. Ein Bild bräuchte ich noch. Voller Laden. Ich darf ...

Ich habe das meinem Friseur in meinem geliebten Gelsenkirchener Brennpunkt erzählt und ihm ein paar Bilder geschickt.

Daraufhin ist er glatt mit seinem Partner ab nach Belgrad, um seine Berufskollegen zu besuchen. Das nenn ich spontan! Mal sehen, was er erzählt ...