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Stocks For Fun

Stockfotografie kann ja bekanntlich jedes Thema betreffen. Und jedes Foto kann zum Stockfoto werden. Stock bedeutet einfach sowas wie vorrätig und Standard. Also vielfältig nutzbare Fotos, die auf Lager und lieferbar sind. Imgrunde sind dem Fotografen dabei keine Grenzen gesetzt, wenn er nicht davon leben muss. Himmlisch!

Für die Bereiche Gesundheitswesen und Pflege, wo ich mich desöfteren herumtreibe, ist das Angebot an Stockfotos arg begrenzt. Wenig Angebot und dazu sehr amerikanisch. Dabei ist das Metier sehr interessant ...

Und voller Geschichten. Je nachdem, wie man was erzählt.

Da bleiben wir doch mal dran ...

.. und analysieren den Markt.

Hello Novi Sad

Mit meinem Englisch war es nicht weit her. Gut, simple Verständigung ging schon. Mehr aber auch nicht. Aber wenn man sich da bewegt, wo die anderen kein Deutsch sprechen, wird das zu einer Zumutung. Es musste etwas passieren. Privatunterricht per Skype. Und zwar bei jemandem, der kein Deutsch spricht. Anstrengend, aber die perfekte Wahl! So haben wir uns kennengelernt, Dragana Markovič und ich.

Dragana lebt in Novi Sad. Das ist in Serbien. Sie sitzt im Rollstuhl, weil sie an Spinaler Muskelathrophie leidet. Das sieht man nicht auf Skype. Ich habe das in den sozialen Medien entdeckt und war erst unsicher, ob sie behindert ist. Zuerst habe ich rumgedruckst, weil ich ihr nicht zu nahe treten wollte. Dann habe ich sie gefragt.

Mittlerweile haben wir uns angefreundet und ich habe sie in Novi Sad besucht. Wir haben einen Tag zusammen mit ihren Freunden verbracht. Ich durfte bei einer Face-to-Face und zwei Skype-Sessions mit dabei sein. Es ist schon kurios, wenn ich als das seltene Exemplar eines Deutschen in Novi Sad mit einer jungen Frau in Dubai skype. Auf Draganas Frage nach Deutschen in Dubai sagt sie, Deutsche seien kalt, Anwesende ausgenommen natürlich.

Dragana ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Ihr helfen verschiedene Assistentinnen. Eine davon ist Maja. Durch die Nähe, die zwangsläufig entsteht, sind die beiden inzwischen wie Schwestern. Maja ist Halbungarin und eigentlich Tierärztin, aber es ist schwer in Serbien einen Job zu finden.

Es war eine bunt gemischte Truppe, die ich da kennenlernen durfte. Tatjana, die zusammen mit drei anderen eine Sprachschule für Englisch betreibt oder Liljana aus Sombor und ihr russischer Ehemann, die frisch verheiratet sind und ein Kind erwarten. Für mich war es ein schönes Erlebnis.

Ich denke, Dragana ist auf jeden Fall eine Geschichte wert. Ich werde sie fragen, ob es etwas gibt, das sie gern erzählen würde. Dann sehen wir weiter...

Beim Barber

Bei meiner letzten Reise nach Belgrad fiel mir in Savamala, das ist Belgrads "Creative Hub", eine Art Belgrad Kreuzberg, ein Barbershop auf. Mit mir war die Tochter eines Freundes, ihrerseits angehende Kommunikationsdesign- Studentin, ebenfalls immer auf der Suche nach guten Bildern. Wir betreten den Shop und fragen, ob wir Fotos machen dürfen. Und haben das Schild am Eingang: "Gentlemen only, ladies forbidden" glatt übersehen. Luisa nimmt es nicht übel und findet andere Bilder. Ich gebe mich der männlichen Atmosphäre hin.

Die bärtige, tätowierte Jack Daniels-Atmosphäre wird gemildert durch einen kleinen Jungen, von Carlo Zagorac liebevoll betreut. Er baut ihm mit seinem Skateboard eine Brücke, damit er sich nicht so tief bücken muss.

Er kann gut mit Kindern, keine Frage. Ansonsten sieht das Ganze schon sehr männlich aus. Frauen würden vielleicht ein bisschen Angst kriegen, deswegen dürfen sie wahrscheinlich gar nicht erst rein ... Mir auf jeden Fall ist der Laden sympathisch, besonders Carlo, der Besitzer.

Anfangs sind die Barber skeptisch, das habe ich gemerkt. Ein deutscher Möchtegern-Fotograf, der mal eben ein paar Snapshots zu Kohle machen will.

Das legt sich aber, als sie den Eindruck bekommen, dass ich Spass bei der Arbeit habe. Dann lockern sich alle. Ich mache also meine Bilder. Stündchen oder so. Quatsche noch ein bisschen und frage, ob ich wiederkommen darf. Ein Bild bräuchte ich noch. Voller Laden. Ich darf ...

Ich habe das meinem Friseur in meinem geliebten Gelsenkirchener Brennpunkt erzählt und ihm ein paar Bilder geschickt.

Daraufhin ist er glatt mit seinem Partner ab nach Belgrad, um seine Berufskollegen zu besuchen. Das nenn ich spontan! Mal sehen, was er erzählt ...