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2 Stunden in der Hitze von Smederevo

An einem sehr heissen Sommertag war ich auf der Durchreise für einige Stunden in Smederevo. Smederevo (deutsch: Semendria) ist eine serbische 100.000 Einwohner-Stadt an der Mündung der Jezava in die Donau.

Der Bahnhof liegt direkt an der alten historischen Festung. Im Zweiten Weltkrieg diente sie der deutschen Wehrmacht als Waffenlager. Am 5. Juni 1941 wurde die Festung durch eine schwere Explosion beschädigt, wobei Tausende von Menschen in der Stadt starben. Das Ganze geschah in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, in dem ein vollbesetzter Zug stand. Es wurde nie geklärt, wie es zu diesem Unglück kam.

Smederevo ist eine der bedeutendsten Industriestädte Serbiens. Das Stahlwerk, nach amerikanischer und serbischer, nun in chinesischer Hand, hat dort seinen Sitz, ebenso gibt es einen großen Industriehafen an der Donau. Das Stahlwerk verpestet mit seinen ungefilterten Abgasen die Luft. Daher gilt Smederevo als "dreckigste“ Stadt Serbiens, wenn nicht gar Europas.

Die größten Potentiale der Stadt und der Region liegen brach:

Das gute Klima, Boden und die Tradition im Anbau von Obst resultieren in ergiebigen und hochqualitativen Ernten, für welche keine organisierte Abnahme vorhanden ist. Das Kühlhaus des ehemaligen staatlichen Kombinats „Godomin“ und der Weinkeller sind außer Betrieb.

Die ganze Region liegt nach Untersuchungen aus den 1980er Jahren auf großen Reserven an Mineral- und Thermalwässern. Eine baldige Erschließung ist nicht in Sicht.

Die seit Jahren angekündigte zollfreie Zone wird nur schleppend realisiert.

Kosovo Wedding

Auf meiner Reise zu zwei alten Nonnen, die allein ein Kloster in der kosovarischen Stadt Djakovica führen, gab es einen Halt in einer serbischen Enklave. Dort war ich zu Gast bei einer Hochzeit.

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Eine Kirche als Enklave

Die letzten Serben von Đakovica

Vier alte Frauen sind die letzten in Đakovica verbliebenen Serben. Nach dem Kosovo-Krieg des Jahres 1999 und dem NATO-Bombardement waren vier betagte serbische Frauen trotz aller Gefahren und der brutalen ethnischen Säuberung in der Pfarrkirche der Stadt geblieben und wurden von italienischen KFOR-Soldaten bewacht. Das Essen brachten ihnen die Mönche aus dem nahegelegenen Kloster Dečani. Bei den massiven Ausschreitungen im März 2004 wurden sie von den KFOR-Soldaten gerettet und verließen die Stadt. Die orthodoxe Pfarrkirche in Đakovica wurde vollends zerstört und die vier Frauen fanden Zuflucht im Kloster Visoki Dečani.

Inzwischen ist die Kirche samt Gemeindehaus wieder aufgebaut worden und zwei der letzten Serbinnen von Đakovica leben als Nonnen wieder in der Stadt. 
Das Kloster liegt mitten in Đakovica in der „Serbischen Straße“, deren Häuser und Wohnungen nach den ethnischen Säuberungen von Kosovoalbanern besetzt wurden.
 Ein kosovoalbanischer Polizeiposten bewacht die Frauen. Sie dürfen das Gelände zu ihrem Schutz nur in Begleitung verlassen, sonst wären sie dem Risiko von Repressalien ausgesetzt. Im Januar 2017 wurden vertriebene Serben, die an einem Gottesdienst in der Kirche teilnehmen wollten, angegriffen und der Bus, in dem sie angereist waren, mit Steinen beworfen. Das Kloster ist vielen Kosovoalbanern ein Dorn im Auge, denn es ist sichtbares Überbleibsel serbischer Kultur.

„Man will uns vertreiben“

Schwester Jefimija ist eine der Nonnen. „Wir werden schikaniert und bedroht.“ Oft kommt es zu Einbrüchen in das unbeaufsichtigte Kloster, wenn die Frauen unterwegs sind. Man habe auch schon versucht, das Trinkwasser zu vergiften. Das liegt an der Angst der Anwohner, sagt sie, dass die vertriebenen Serben ihre Häuser und Wohnungen zurückfordern könnten.

„Ich bin gekommen, um Gott zu dienen“

Das Klostergelände ist umgeben von Wohnhäusern. Aus den oberen Stockwerken kann man ins Klosterinnere sehen. Schwester Jefimija stammt aus Serbien und ist in den 60er-Jahren als medizinische Aushilfe nach Deutschland emigriert. Als „Gastarbeiterin“. Ihre Vorfahren stammen aus dem Kosovo. Nachdem sie auf einer Wallfahrt zu ihrem Glauben gefunden hatte, kam sie 2011 als Rentnerin ins Kosovo und wurde im neugegründeten Kloster Đakovica zur orthodoxen Nonne geweiht. Zu ihrer Familie in Deutschland hat sie keinen Kontakt mehr. „Dieses Leben liegt hinter uns“. (Sie will nicht fotografiert werden, denn sie glaubt, dass ihr Ehre, die sie auf Erden erfährt, im Himmel abgezogen wird.)

“Hör auf! Sonst wird deine Mutter sterben!“

Auch Dana hat wenig Kontakt zum Leben ausserhalb der Klostermauern. Sie ist 90 und stammt aus einem Dorf hier in der Nähe. Sie ist eine der letzten Serbinnen von Đakovica. Alle ihre Angehörigen sind tot oder vertrieben. Ihre Tochter, die in Serbien lebt, besucht sie nur einmal pro Jahr. Dana kann seit einem Schlaganfall nicht mehr reden, deshalb spricht sie mit Händen und Augen. Schwester Jefimija erzählt, wie ein Albaner Dana während der ethnischen Säuberungen zu Boden reisst und ihr ein ein stumpfes Messer an die Kehle hält: „Jetzt stirbst du!“ Ein anderer schreit: “Hör auf! Sonst wird deine Mutter sterben!“ In dieser Gegend glaubt man, dass die eigene Mutter stirbt, wenn man einer alten Frau etwas antut. Das hat sie gerettet.

Dana leidet unter der Eintönigkeit im Kloster. Sie mag es, unter Menschen zu sein. Deshalb gesellt sie sich regelmäßig zu Muhammad, dem albanischen Polizisten vorn am Tor. Der hat nichts dagegen. Ihm gefällt sein Job, obwohl er für viele seiner Landsleute ein Verräter ist und das auch zu spüren bekommt. Denn anders als im Einsatz auf der Straße besteht für ihn hier keine unmittelbare Lebensgefahr.

Die Schatten der Vergangenheit

Mara verscheucht die Katzen von der Terrasse des Gemeindehauses. Die flüchten sich zu den vielen anderen im Garten und fläzen sich ins herumliegende Herbstlaub. Mara ist 75. Auch sie stammt aus einem Dorf in der Nähe von Đakovica. Mara hat ein Buch über Kriegsverbrechen an den Serben, das sie vor sich selbst, wie sie sagt, in ihrem Zimmer versteckt. Das Buch ist eine Dokumentation des Kosovokrieges und enthält unzählige Fotos ermordeter Serben. Männer, Frauen, Kinder. Mara kannte einige von ihnen persönlich. Sie selbst war Augenzeuge einiger Morde. Sie beginnt zu weinen und hört den ganzen Tag nicht mehr auf. Die Schatten der Vergangenheit ziehen auf.

Eine junge Katze bleibt hartnäckig und läuft zu Mutter Atanasija. Sie ist die Älteste und die Äbtissin des Klosters. Die kleine Katze ist sehr menschenbezogen und folgt den Nonnen auf Schritt und Tritt. Mutter Atanasija (90) wurde in einem Dorf in bei Đakovica geboren und war vierzig Jahre lang Kirchendienerin in der Kirche der Heiligen Jungfrau. Zusammen mit Dana, Mara und Jelena, die inzwischen verstorben ist und im Klostergarten begraben liegt, blieb sie auch während des Krieges. Sie ist eine begnadete Rednerin und wird wegen ihrer Herzlichkeit und ihrem Mitgefühl geachtet.

Die Katze folgt nun Jefimija zur Kirche. Dort werden sie und Atanasija lesen und beten, denn der Tag folgt einem festen Programm. Mara und Dana kümmern sich um die Blumen, die sie angepflanzt haben. Es gibt Blumen, Kräuter, Heilpflanzen und Gemüse im Garten. Und einen imposanten Walnussbaum. Als die Nonnen nach etwa einer Stunde aus der Kirche kommen, stellt sich Atanasija wie gewohnt an Jelenas Grab, um ihrer zu gedenken. Niemand wird vergessen.

Wäre nicht diese ständige unterschwellige Bedrohung, könnte es hier richtig schön sein. Ich verlasse die alten Damen von Đakovica und das Kosovo mit vielen Geschenken und gemischten Gefühlen. Erfüllt von der mir entgegengebrachten Herzlichkeit, verwirrt über die Komplexität der Beziehungen und besorgt über die unterschwellige, aber stets fühlbare Aggression, die hier zwischen Serben und Albanern herrscht.

Stocks for fun

Für die Bereiche Gesundheitswesen und Pflege, wo ich mich desöfteren herumtreibe, ist das Angebot an Stockfotos arg begrenzt. Wenig Angebot und dazu sehr amerikanisch. Dabei ist das Metier sehr interessant ...

Und voller Geschichten. Je nachdem, wie man was erzählt.

Da bleiben wir doch mal dran ...

.. und analysieren den Markt.

Hello Novi Sad


Mit meinem Englisch war es nicht weit her. Gut, simple Verständigung ging schon. Mehr aber auch nicht. Aber wenn man sich da bewegt, wo die anderen kein Deutsch sprechen, wird das zu einer Zumutung. Es musste etwas passieren. Privatunterricht per Skype. Und zwar bei jemandem, der kein Deutsch spricht. Anstrengend, aber die perfekte Wahl! So haben wir uns kennengelernt, Dragana Markovič und ich.

Dragana lebt in Novi Sad. Das ist in Serbien. Sie sitzt im Rollstuhl, weil sie an Spinaler Muskelathrophie leidet. Das sieht man nicht auf Skype. Ich habe das in den sozialen Medien entdeckt und war erst unsicher, ob sie behindert ist. Zuerst habe ich rumgedruckst, weil ich ihr nicht zu nahe treten wollte. Dann habe ich sie gefragt.

Mittlerweile haben wir uns angefreundet und ich habe sie in Novi Sad besucht. Wir haben einen Tag zusammen mit ihren Freunden verbracht. Ich durfte bei einer Face-to-Face und zwei Skype-Sessions mit dabei sein. Es ist schon kurios, wenn ich als das seltene Exemplar eines Deutschen in Novi Sad mit einer jungen Frau in Dubai skype. Auf Draganas Frage nach Deutschen in Dubai sagt sie, Deutsche seien kalt, Anwesende ausgenommen natürlich.

Dragana ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Ihr helfen verschiedene Assistentinnen. Eine davon ist Maja. Durch die Nähe, die zwangsläufig entsteht, sind die beiden inzwischen wie Schwestern. Maja ist Halbungarin und eigentlich Tierärztin, aber es ist schwer in Serbien einen Job zu finden.

Es war eine bunt gemischte Truppe, die ich da kennenlernen durfte. Tatjana, die zusammen mit drei anderen eine Sprachschule für Englisch betreibt oder Liljana aus Sombor und ihr russischer Ehemann, die frisch verheiratet sind und ein Kind erwarten. Für mich war es ein schönes Erlebnis.

Ich denke, Dragana ist auf jeden Fall eine Geschichte wert. Ich werde sie fragen, ob es etwas gibt, das sie gern erzählen würde. Dann sehen wir weiter...

Beim Barber

Bei meiner letzten Reise nach Belgrad fiel mir in Savamala, das ist Belgrads "Creative Hub", eine Art Belgrad Kreuzberg, ein Barbershop auf. Mit mir war die Tochter eines Freundes, ihrerseits angehende Kommunikationsdesign- Studentin, ebenfalls immer auf der Suche nach guten Bildern. Wir betreten den Shop und fragen, ob wir Fotos machen dürfen. Und haben das Schild am Eingang: "Gentlemen only, ladies forbidden" glatt übersehen. Luisa nimmt es nicht übel und findet andere Bilder. Ich gebe mich der männlichen Atmosphäre hin.

Die bärtige, tätowierte Jack Daniels-Atmosphäre wird gemildert durch einen kleinen Jungen, von Carlo Zagorac liebevoll betreut. Er baut ihm mit seinem Skateboard eine Brücke, damit er sich nicht so tief bücken muss.

Er kann gut mit Kindern, keine Frage. Ansonsten sieht das Ganze schon sehr männlich aus. Frauen würden vielleicht ein bisschen Angst kriegen, deswegen dürfen sie wahrscheinlich gar nicht erst rein ... Mir auf jeden Fall ist der Laden sympathisch, besonders Carlo, der Besitzer.

Anfangs sind die Barber skeptisch, das habe ich gemerkt. Ein deutscher Möchtegern-Fotograf, der mal eben ein paar Snapshots zu Kohle machen will.

Das legt sich aber, als sie den Eindruck bekommen, dass ich Spass bei der Arbeit habe. Dann lockern sich alle. Ich mache also meine Bilder. Stündchen oder so. Quatsche noch ein bisschen und frage, ob ich wiederkommen darf. Ein Bild bräuchte ich noch. Voller Laden. Ich darf ...

Ich habe das meinem Friseur in meinem geliebten Gelsenkirchener Brennpunkt erzählt und ihm ein paar Bilder geschickt.

Daraufhin ist er glatt mit seinem Partner ab nach Belgrad, um seine Berufskollegen zu besuchen. Das nenn ich spontan! Mal sehen, was er erzählt ...

Hello, welcome UWE JESIORKOWSKI | FOTOGRAF @Dortmund • Belgrad

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